Embargo und Red Scare: Warum wir Kuba heute verteidigen müssen

„Cuba […] is a failed country and only heading in one direction – down!“ schreibt Trump auf Truth Social, seiner Online-Plattform und Twitter Alternative. Seit Januar hat die Trump-Regierung das Embargo gegen Kuba so umfassend verschärft, dass kaum noch Öllieferungen das Land erreichen. Auch alle anderen Bereiche der Wirtschaft sind stark sanktioniert. Die Energieversorgung, der Tourismus und der begrenzte Handel, der für Kuba noch möglich war, sind unter den US-Sanktionen weitgehend zusammengebrochen. Zusätzlich droht die US-Regierung immer wieder mit einem militärischen Vorgehen gegen die Insel. Warum steht Kuba heute so im Zentrum der US-Aggressionen? Welche Rolle spielt Kuba heute noch für  Revolutionär:innen weltweit? Und warum baut die USA rund um Kuba einen dritten Red Scare auf?

Ein Versuch, die kubanische Revolution in die Knie zu zwingen 

Es ist 1958, die Revolutionär:innen rund um Fidel Castro und Che Guevara verjagen die koloniale Militärdiktatur von Fulgencio Batista und mit ihm die seit 1898 andauernde US-Herrschaft über die Insel. Die kolonialen Großgrundbesitzer werden enteignet und das Land an die Kubaner:innen zurückgegeben. Die US-amerikanische Bourgeoisie wird aus dem Land vertrieben und die Industrie und der Handel wieder in die Hände des kubanischen Volkes gelegt. Die Mieten werden gesenkt, die Gesundheitsversorgung ausgebaut und kostenlos zur Verfügung gestellt und in einer riesigen Alphabetisierungskampagne hunderttausenden Kubaner:innen das Lesen und Schreiben beigebracht. Kurzum: Es gelingt, die Kolonialherren zu vertreiben und ein neues, unabhängiges und von sozialistischen Werten geleitetes Kuba aufzubauen.

Dieser Erfolg der kubanischen Revolution war ein schwerer Schlag für den US-Imperialismus. Ökonomisch, geopolitisch und nicht zuletzt auch ideologisch: Eine erfolgreiche Revolution, direkt gerichtet gegen den US-Imperialismus, nur 180km entfernt von der US-amerikanischen Küste, und das mitten in der Zeit des Kalten Krieges. Auch heute betrachtet die US-Regierung Kuba noch als eine „abtrünnige Kolonie“ der USA.

Die USA antworteten auf die Enteignung der US-amerikanischen Kolonialbetriebe mit umfangreichen Sanktionen gegen Kuba, die zu Beginn der 1960er Jahre das Ausmaß eines Wirtschaftsembargos erreichten. Dabei beschränkten die USA nicht nur ihren eigenen Handel mit der Insel, sondern nutzten die Stellung ihrer Monopole in der Welt und ihre Kontrolle über den Dollar als Währung des Welthandels, um auch die Zusammenarbeit anderer Staaten und ihrer Unternehmen mit Kuba zu sanktionieren. Der Inhalt und Umfang der Sanktionen wurde im Laufe der Jahrzehnte mit der jeweiligen Ausrichtung des US-Imperialismus immer wieder angepasst, ihr Ziel blieb aber gleich: Das Land wirtschaftlich so in die Knie zu zwingen, dass es sich dem US-Imperialismus wieder unterwerfen muss.

Unter Präsident Trump erreichte diese wirtschaftliche Belagerung Kubas das Niveau eines Wirtschaftskriegs. Seit Januar 2026 untersagt die US-Regierung unter der Androhung von Strafzöllen und weiteren Sanktionen anderen Staaten die Lieferung von Erdöl und Treibstoffen an Kuba. Daraufhin stellte unter anderem Mexiko, das 44% der kubanischen Ölimporte deckte, seine Lieferungen ein. Nach dem völkerrechtswidrigen Putsch in Venezuela wurden auch die venezolanischen Öllieferungen nach Kuba, die 34% der kubanischen Ölimporte ausmachten, eingestellt. Nur wenige Monate später untersagte die Trump-Regierung US-Bürger:innen und in den USA tätigen Unternehmen die Zusammenarbeit mit Kuba. Daraufhin stellten viele Hotelketten, die Hotels in Kuba betrieben, ihren Betrieb ein. Der Tourismus, der in den letzten Jahren zentral für die kubanische Wirtschaft geworden ist, brach im Frühjahr 2026 um fast 60% ein. Weitere Sanktionen gegen kubanische Ministerien und staatliche Betriebe folgten. Damit erreichte die Blockade gegen Kuba ein noch nie dagewesenes Ausmaß.

Zusätzlich dazu soll Kuba politisch destabilisiert werden. Wie Recherchen der New York Times aufdeckten, gründete die CIA eine geheime Task Force gegen Kuba. Diese soll Spione rekrutieren, Cyberangriffe durchführen und verdeckte Operationen in Kuba organisieren. Das erklärte Ziel ist es, durch eine konzentrierte Kampagne die kubanische Führung ins Wanken zu bringen – und so in Kombination mit der durch das Embargo ausgelösten wirtschaftlichen und humanitären Krise eine Situation zu schaffen, in der Kuba sich den USA fügen muss.

Die Hoffnung auf die Revolution soll zerschlagen werden

Es ist kein Zufall, dass die Angriffe gegen Kuba ausgerechnet jetzt eskalieren. Die USA müssen mehr und mehr von ihrer weltweiten Hegemonie an China abtreten, das sowohl wirtschaftlich als auch in seinem Einfluss in der Welt droht, an den USA vorbeizuziehen. In der Vorbereitung auf einen dritten Weltkrieg fährt die USA deshalb eine zunehmend aggressive Strategie, die andere Staaten dazu zwingt, sich dem US-Imperialismus unterzuordnen oder Teil des US-Blocks zu werden. Von der Erpressung durch Zölle und Wirtschaftssanktionen über die Entführung Maduros bis zum völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran – der US-Imperialismus versucht nicht mehr, eine demokratische Fassade aufrecht zu erhalten, sondern ist wieder dazu übergegangen, seine Interessen ganz offen und direkt mit Gewalt in der Welt durchzusetzen. Lateinamerika soll dabei wieder uneingeschränkt zum „Hinterhof“ der USA gemacht werden, also politisch von den USA kontrolliert werden, Rohstoff- und Arbeitskräftelieferant sowie Absatzmarkt für die US-Monopole sein. 

Kuba ist dabei natürlich von geopolitischer Bedeutung für die USA. Direkt vor der eigenen Küste gelegen, will die USA keinen verfeindeten Staat oder möglichen Verbündeten Russlands oder Chinas. Außerdem verfügt Kuba über wichtige Bodenschätze wie Nickel, die heute für die Herstellung technischer Geräte – also für alles vom Handy bis zur Kampfdrohne – unerlässlich sind. 

Zusätzlich dazu hat Kuba aber noch eine andere, eine ideologische Bedeutung. Kuba steht heute wie kaum ein anderes Land dafür, dass es möglich ist, den US-Imperialismus zurückzuschlagen und die Revolution zu machen. Für Revolutionär:innen und Sozialist:innen auf der ganzen Welt ist die kubanische Revolution ein Bezugspunkt, Vorbild und Hoffnungsträger. Der Widerstand, mit dem das kubanische Volk nicht nur die Kolonialherrscher davonjagte, sondern auch dem US-Embargo seit Jahrzehnten trotzt, zeigen, welche Kraft in den Händen der Unterdrückten liegen kann. Es geht also nicht nur darum, Kuba zu Fall zu bringen, sondern auch die Hoffnung darauf, dass der US-Imperialismus zurückgeschlagen werden kann. 

Natürlich bleiben diese Errungenschaften ein Teil der Geschichte der Unterdrückten, selbst wenn Kuba den aktuellen Angriffen nicht standhalten sollte. Dennoch ist die ideologische Dimension der aktuellen Angriffe nicht zu unterschätzen. Nicht ohne Grund spricht Trump von Kuba als „failed state“. In der Welt soll vor allem ein Bild entstehen: Die kubanische Revolution ist gescheitert, und niemand kann sich dem US-Imperialismus auf Dauer widersetzen.

Die moralische Überlegenheit und der feste Glaube an eine bessere Welt, haben in der Geschichte der Unterdrückten eine zentrale Rolle gespielt. Dass es den Unterdrückten immer wieder gelungen ist, militärisch überlegene Gegner zurückzuschlagen, war eine Frage des Willens, der Hoffnung und des Glaubens an den Sieg. Genau diese ideologische Kraft soll in der aktuellen Zeit zerstört werden. Denn wenn die Hoffnung verloren geht, dass die Imperialisten besiegbar und eine bessere Welt möglich ist, wenn sich der Eindruck breit macht, dass die Imperialisten am Ende doch immer siegen werden, dann gibt es keinen Grund mehr, gegen sie zu kämpfen. 

Ein neuer Red Scare

Die ideologischen Angriffe der Trump-Regierung richten sich nicht nur gegen die kubanische Revolution. Die US-amerikanische Rechte baut einen neuen Red Scare auf, um politische Gegner einzuschüchtern und Zustimmung für ihre zunehmend faschistische Politik zu gewinnen. Schon nach dem 1. und 2. Weltkrieg wurde in den USA eine breite antikommunistische Kampagne gefahren, in der alle möglichen Linken von Sozialdemokrat:innen über Anarchist:innen bis hin zu Marxist:innen zu Feinden der Freiheit, Massenmördern und Zerstörern des gesellschaftlichen Wohlstands erklärt wurden. Linke Postionen wurden diffamiert und mutmaßlichen Kommunisten drohten Berufsverbote und politische Verfolgung. 

Heute schafft die Trump-Regierung eine ähnliche Drohkulisse. Im Fokus dieses neuen Red Scares steht die internationale Vernetzung von Antifaschist:innen. So stufte Trump „die Antifa“ pauschal als Terrororganisation sein und setzte Antifa Ost, Palestine Action, Masar Badil und das italienische Tech-Kollektiv Autistici Inventati, das die Plattform Noblogs betreibt, auf die US-Terrorliste. In einer von den USA ausgerichteten Konferenz gegen Linksextremismus stand die internationale Vernetzung von Antifaschist:innen ganz oben auf der Tagesordnung; Mit der Perspektive, diese „beispiellose weltweite Offensive gegen die grenzüberschreitende Bedrohung durch den Terrorismus der radikalen Linken“ (US-Außenminister Rubio) unter anderem durch einen gemeinsamen Workshop mit den deutschen Behörden zu vertiefen. 

Kuba wird damit natürlicherweise zu einem Dreh- und Angelpunkt. Ein über 100-seitiger Bericht des US State Departments bezeichnete Kuba als „Hauptstadt des Kommunismus im 21. Jahrhundert“ und listete zahlreiche linke Aktivist:innen und Organisationen – darunter auch Gewerkschaftler:innen, Journalist:innen und prominente Mitglieder der demokratischen Partei – namentlich als Frontleute Kubas. Ihre Mission sei es, Amerika von innen heraus zu zerstören.

Das ist kein Zufall. Sowohl beim Sturz von Batistas Militärdiktatur als auch im Widerstand gegen das US-Embargo war die internationale Unterstützung für die kubanische Revolution ausschlaggebend. Gleichzeitig ist Kuba ein internationaler Hoffnungsträger. Früher hatten die Kommunist:innen eine Internationale, die die internationale Zusammenarbeit und Solidarität organisiert hat. Heute gibt es diese Realität nicht. In dieser Suche der sozialistischen und revolutionären Bewegung nach der objektiv notwendigen internationalen Vernetzung spielt die gemeinsame Verteidigung von revolutionären Stützpunkten eine besondere Rolle. Dementsprechend ist Kuba heute ein Knotenpunkt sowohl für Revolutionär:innen als auch für die Imperialisten. 

Der Widerstand lebt

Die Auswirkungen der Blockade sind verheerend. Der Strom funktioniert oft nur wenige Stunden am Tag, die medizinische Versorgung musste auf ein Minimum reduziert werden und ausreichend Lebensmittel und Wasser zu besorgen, ist für viele Menschen eine tägliche Herausforderung. Die UN sprechen von einer humanitären Krise und warnen vor einem „stillen Gaza“, also dass infolge des Wirtschaftskrieges Tausende Menschen sterben könnten. Zwar gibt es vereinzelte Lieferungen aus anderen Ländern – vor allem aus China und Russland, die damit ihren Einfluss auf Kuba ausbauen wollen – aber diese können die Folgen der Sanktionsverschärfungen der letzten Monate kaum auffangen. Die wirtschaftliche Situation führe zu Unmut und auch zur Abwanderung von vor allem jungen Menschen, aber kurz vor dem Kollaps stehe das Land noch lange nicht. So berichten Teilnehmende einer Delegation nach Kuba auf amerika21. Die Bevölkerung ist eng mit der Revolution verbunden. Viele Menschen stehen weiterhin hinter der kubanischen Regierung und erkennen, dass vor allem die US-Blockade für die aktuelle wirtschaftliche Situation verantwortlich ist.

Nicht zuletzt ist die  kubanische Geschichte eine Geschichte  des Widerstands. Die Imperialisten aus Kuba zu verjagen und Kuba unter den Bedingungen der Blockade aufzubauen, erforderte ein großes Maß an Aufopferung, Kreativität und Durchhaltevermögen. Vor ähnlichen, vielleicht sogar schwierigeren Aufgaben steht Kuba auch heute angesichts der Blockade.

Genauso ist die kubanische Geschichte eine Geschichte des Internationalismus. Im Lauf der Jahrzehnte haben nicht nur Revolutionär:innen, sondern auch Demokrat:innen, Völkerrechtler und Gegner des US-Imperialismus dazu beigetragen, dass Kuba den US-Sanktionen trotzen konnte. Gerade in der aktuellen Situation zeigen sich aber die Grenzen der bürgerlichen Solidarität, denn auch wenn viele Staaten und internationale Institutionen die Blockade kritisieren, ist die Angst vor den US-Sanktionen doch zu groß, um die Blockade zu brechen.

Die Rolle, die Revolutionär:innen heute in dieser Situation einnehmen können, besteht vor allem aus zwei Aufgaben. Zum einen den Druck auf die eigenen Staaten zu erhöhen, tatsächlich etwas gegen die Blockade zu unternehmen und sich entschieden gegen eine mögliche militärische Intervention in Kuba zu stellen. Zum anderen auch in diesen schwierigen Zeiten den Glauben an den Sieg hochzuhalten. Unabhängig davon, wie es mit Kuba in den kommenden Monaten und Jahren weitergeht: Die kubanische Revolution ist ein Erfolg der Unterdrückten. Sie beweist, dass selbst die Bestie des US-Imperialismus nicht unbesiegbar ist. Die Erfahrungen der kubanisches Revolution und des kubanischen Staates müssen mit ihrem Fortschritt für die Unterdrückten und den Erfolgen und Miserfolgen ihrer konkreten Politiken von Revolutioär:innen ausgewertet und verteidigt werden.

Heute wird der Kampf um Kuba zu einem der bedeutendsten Willenskämpfe unserer Zeit. In den letzten Jahren stand die Solidarität mit Kuba nicht sonderlich weit oben auf der Tagesordnung der revolutionären Bewegung Europas. Das muss sich in der aktuellen Zeit ändern. Revolutionär:innen dürfen der kubanischen Revolution in diesem Moment nicht den Rücken zukehren. 

An fast allen Orten der Welt regt sich Widerstand gegen die US-Blockade und Solidarität mit Kuba – vergrößern wir diesen Protest!